Steckbrief der Verkehrssicherheit: Senioren und Seniorinnen

65 Jahre und älter (Deutschland, 2014) [1]
16,8 Millionen (20,8 % der Gesamtbevölkerung)

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Bild: Hardy Holte

Unfälle in Deutschland 2014 (in Klammern der Vergleich mit 2005)
– Insgesamt: 987 Getötete (1.162), 12.197 Schwerverletzte (10.752), 34.427 Leichtverletzte (30.029).
– 987 Getötete: davon 25,2 % (28,92 %) als Fußgänger, 22,9 % (24,27 %) als Radfahrer oder Mitfahrer auf dem Rad, 29,3 % (27,62 %) als Pkw-Fahrer und 7,1 % als Fahrer von Krafträdern mit Versicherungskennzeichen und Krafträdern mit amtlichem Kennzeichen.
– 29,2 % (22 %) aller im Straßenverkehr Getöteten und 12,1 % aller im Straßenverkehr Verunglückten; 23,8 % aller als Pkw-Fahrer Getöteten und 9,6 % aller verunglückten Pkw-Fahrer und -fahrerinnen; 51,7 % aller als Fußgänger oder Radfahrer Getöteten.
– 75 Jahre und älter: 623 Getötete, 6.345 Schwer-, 14.825 Leichtverletzte.

Unfallrisiko: Auf die Fahrleistung bezogen besteht ein sprunghafter Anstieg des Unfallrisikos bei den Wenigfahrern (< 3.000 km jährl.) innerhalb der Gruppe ab 75 Jahre; das Risiko der Wenigfahrer dieser Altersgruppe ist vergleichbar mit dem der 21-24-Jährigen. Senioren und Seniorinnen ab 75 Jahre mit mehr Fahrpraxis (> 3.000 km) haben das geringste fahrleistungsbezogene Unfallrisiko aller Altersklassen (Niederlande) [2].

Risikovergleich: Verunglücktenzahl auf die Bevölkerung bezogen: Im Vergleich zum Durchschnitt der Gesamtbevölkerung ist das Verunglücktenrisiko (Verunglückte je 100.000 Einwohner) der älteren Verkehrsteilnehmer nur halb so hoch [1].

Verunglücktenrisiko vs. Getötetenrisiko: Das fahrleistungsbezogene Getötetenrisiko der Senioren steigt deutlich ab etwa 70-74 Jahre an. Dagegen bleibt beim Verunglücktenrisiko (Getötete, Schwer- und Leichtverletzte) ein solcher Anstieg aus. Die Ursache für das ansteigende Getötetenrisiko ist eine höhere Verletzbarkeit der Senioren und damit verbunden eine höhere Wahrscheinlichkeit tödlicher Verletzungen [3].

Häufigste Unfallursachen: Vorfahrtsverletzungen, falsches Abbiegen (Linksabbiegen), falsches Wenden sowie Ein- und Ausfahren.

Risikofaktoren: Altersbedingte Leistungsbeeinträchtigungen, Leistungseinbußen durch Krankheit und durch die Einnahme von Medikamenten (insbes. Multimedikation), mangelnde Fahrpraxis.

Leistungseinbußen: u. a. peripheres Sehen, selektive und geteilte Aufmerksamkeit, Konzentration, verlangsamte Entscheidungs- und Reaktionsgeschwindigkeit, Probleme bei der Informationsverarbeitung in komplexen Verkehrssituationen sowie beim Kopfdrehen [6]

Sicherheitspotenziale: Fahrpraxis, Erfahrungen, Fahrtrainings, Selbstregulation bzw. kompensatorisches Verhalten zum Ausgleich von Defiziten (z. B. nicht bei Dunkelheit fahren), positive Einstellung gegenüber sicherem und rücksichtsvollem Verhalten, ausgeprägtes Sicherheitsmotiv statt Leistungsmotiv, Lernfähigkeit [4].

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[1] Statistisches Bundesamt (2015). Verkehrsunfälle 2014. Fachserie 8, Reihe 7. Wiesbaden. Statistisches Bundesamt (2015). Verkehrsunfälle. Unfälle von Senioren im Straßenverkehhr 2014. Wiesbaden.
[2] Langford, J., Methorst, R. & Hakamies-Blomqvist, L. (2006). Older drivers do not have a high crash risk – A replication of low mileage bias. Accident Analysis and Prevention, 38, 574–578.
[3] Siehe Beitrag “Unfälle per 1 Million Kilometer“ in diesem Blog (in Vorbereitung).
[4] Weiterführende Literatur:
Holte, H. (2005). Sind Alter und Krankheit ein Sicherheitsproblem? In Frank, H., Kalwitzki, K., Risser, R. & Spoerer, E. (Hrsg.). In motion, 2: „65plus mit Auto mobil? Mobilitätsprobleme von SeniorInnen und verkehrspsychologische Lösungsansätze“, S. 35-44.
Poschadel, , S. et al. (2012). Verkehrssicherheitsrelevante Leistungspotenziale, Defizite und Kompensationsmöglichkeiten älterer Kraftfahrer. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Mensch und Sicherheit, M 231. Bremerhaven: NW-Verlag.
Poschadel, S. (2014). Improved driving performance of elderly drivers (70+ years) by training in real traffic: a control group based study. Vortrag auf dem europäischen Kongress “Ageing and Safe Mobility”, Bundesanstalt für Straßenwesen, am 27. November 2014.
Presentationen der europäischen Konferenz „Ageing and Safe Mobility“ Bundesanstalt für Straßenwesen, am 27. November 2014:
Rudinger, G. (2014). Road safety of the elderly: Human factors. Vortrag auf dem europäischen Kongress “Ageing and Safe Mobility”, Bundesanstalt für Straßenwesen, am 27. November 2014.