Steckbriefe der Verkehrssicherheit: Sensation Seeking (Abenteuerlust)

Definition: Sensation Seeking ist ein relativ stabiler Temperamentszug. Sensation Seeker haben biologisch bedingt ein ausgeprägtes Bedürfnis nach abwechslungsreichen, neuen Sinneseindrücken. Deshalb nehmen sie oft größere Risiken in Kauf, um dieses Bedürfnis zu befriedigen.
–  Das theoretische Konzept wurde von Marvin Zuckermann entwickelt. Es wird mit der Sensation Seeking Scale (Fragebogen) erfasst.
–  Sensation Seeking ist bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen.
–  Zwischen 16 und 20 Jahren ist dieser Temperamentszug am stärksten ausgeprägt. Im Alter erfolgt eine Abschwächung.

building base jump in shanghai

Bild: Xof711 – Fotolia.com

Einstellungen und Motive (siehe Schulze, 1999): Sensation Seeker …
–  zeigen eine stärkere Bereitschaft zu Regelverstößen,
–  bevorzugen leistungsbezogene Fahrzeugeigenschaften (Power),
–  sind häufiger durch risikoerhöhende Fahrmotive (z. B. „Es ist ein gutes Gefühl, andere abzuhängen“) charakterisierbar,
–  äußern häufiger Trinkmotive wie „Spaß haben“ und „Frust abbauen“,
– sind häufig überzeugt, generell schwierige Situationen durch eigene Fähigkeiten bewältigen zu können.

Verhaltensprofil: Sensation Seeker…
–  sind häufiger Raucher, trinken häufiger Alkohol und nehmen häufiger illegale Drogen ein. Sie pflegen häufig Extremsportarten wie Drachenfliegen, Fallschirmspringen, „Base Jumping“, Sporttauchen,
–  wählen häufiger höhere Geschwindigkeiten (Peer & Rosenbloom, 2013),
–  fahren häufiger riskanter (Smorti, 2014),
– sind häufiger in bestimmten Lebensstilgruppengruppen junger Fahrer anzutreffen (Action-Typ, kicksuchender Typ) (Schulze, 1999),
– fahren häufiger unter Alkoholeinfluss (Zakletskaia, et al., 2009; González-Iglesias, Gómez-Fraguela & Luengo, 2014),
–  begehen häufiger Verkehrsverstöße (siehe auch Herzberg, 2001; Schwebel et al., 2006),
–  verhalten sich häufiger aggressiv am Steuer (Jonah et al., 2001; Dahlen et al., 2005),
–  haben eine positivere Einstellung zur Geschwindigkeit (Schulze, 1999; Tranter & Warn, 2008)                                                                                                                                       –  und schätzen Verkehrssituationen weniger riskant ein
   als Nicht-Sensation Seeker.

-  Sensation Seeking erklärt riskantes Fahrverhalten zwischen 10–36 %.

Unfälle
Es liegen einige Hinweise vor, dass Sensation Seeker häufiger in Unfälle verwickelt sind als Personen, bei denen Sensation Seeking gering ausgeprägt ist (z. B. Herzberg, 2001; Schulze, 1999). Allerdings liegen auch einige Studien vor, die diesen Zusammenhang nicht bestätigen können.


[twoclick_buttons]

Weiterführende Literatur

Dahlen, E. R., Martin, R. C., Ragan, K. & Kuhlman, M. M. (2005). Driving anger, sensation seeking, impulsiveness, and boredom proneness in the prediction of unsafe driving. Accident Analysis and Prevention, 37, 341-348.

González-Iglesias, B., Gómez-Fraguela, J. A. & Luengo, A. (2014). Sensation seeking and drunk driving: the mediational role of social norms and self-efficacy. Accident Analysis and Prevention, 71, 22-28.

Herzberg, P.Y. & Schlag, B. (2003). Sensation Seeking und Verhalten im Straßenverkehr. In M. Roth & P. Hammelstein (Hrsg.). Sensation Seeking – Konzept, Diagnostik und Anwendung (S. 162–182). Göttingen u. a.: Hogrefe.

Herzberg, P.Y. (2001). Entwicklung und Validierung eines psychodiag-nostischen Verfahrens zur Erfassung aggressiver Verhaltensweisen im Straßenverkehr (AViS). Unveröffentlichte Dissertation, Universität Leipzig.

Jonah, B.A., Thiessen, R. & Au-Yeung, E. (2001). Sensation seeking, risky driving and behavioral adaptation. Accident Analysis and Prevention, 33, 679–684.

Peer, E. & Rosenbloom, T. (2013). When two motivations race: The effects of time-saving bias and sensation-seeking on driver speed choices. Accident Analysis and Prevention, 50, 135-1139.

Smorti, M. (2014). Sensation seeking and self-efficacy effect on adolescent risky driving and substance abuse. Procedia – Social and Behavioral Sciences, 140, 638-642.

Schulze, H. (1999). Lebensstil, Freizeitstil und Verkehrsverhalten 18- bis 34jähriger Verkehrsteilnehmer. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Mensch und Sicherheit, Heft M 103. Bremerhaven: Wirt-schaftsverlag NW.

Schwebel, D.C ., Severson, J., Ball, K. K. & Rizzo, M. (2006). Individual difference factors in risky driving: The roles of anger/hostility, conscientiousness, and sensation-seeking. Accident Analysis and Prevention, 38, 801-810.

Tranter, P. & Warn, J. (2008). Relationships between interest in motor racing and driver attitudes and behaviour amongst mature drivers: an Australian case study. Accident Analysis and Prevention, 40, 1683–1689.

Zakletskaia, L. I., Mundt, M. P., Balousek, S .L., Wilson, E. L. & Fleming, M. F. (2009). Alcohol-impaired driving behavior and sensation-seeking disposition in a college population receiving routine care at campus health services centers. Accident Analysis and Prevention, 41(3), 380–386.

Zuckerman, M. (1979). Sensation seeking: Beyond the optimal level of arousal. Hillsdale, NJ: Erlbaum.