Steckbriefe der Verkehrssicherheit: Kinder

Unter 15 Jahre (Deutschland, 2013; in Klammern Zahlen von 2005)             10.649.447 Kinder; 13,2 % der Gesamtbevölkerung (14,5 % in 2005)

Traffic danger

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Unfälle
–  Insgesamt: 58 Getötete (159), 4.406 Schwerverletzte (6.274), 23.679 Leichtverletzte (30.521).
–  56 Getötete: davon 37,9 % Fußgänger (26,4 %), 13,8 % Radfahrer (25,8 %), 43,1 % Pkw-Mitfahrer (42,1 %) und kein Fahrer bzw. Mitfahrer von Mofas (1,3 %).
–  Insgesamt Verunglückte: 43,9 % Mädchen (43 %) und 56,1 % Jungen (57 %). Jungen verunglücken häufiger mit dem Rad als Mädchen: 66,1 % vs. 33,9 % aller mit dem Rad verunglückten Kinder (67 % vs. 33 %). Jungen nehmen häufiger am Straßenverkehr teil und haben eine höhere Risikobereitschaft.
–  Verunglückte: Anteil der unter 15-Jährigen an allen im Straßenverkehr Verunglückten beträgt 7,5 %. Der Bevölkerungsanteil dieser Altersgruppe beträgt 13,2 %.
–  unter 6 Jahre: verunglücken zu 62,2 % als Pkw-Insasse (55 %), zu 22,9 % als Fußgänger (29 %) und zu 7,8 % mit dem Rad (10 %).
–  6–9 Jahre alt: verunglücken zu 39,1 % als Pkw-Insasse (34 %), zu 31,9 % als Fußgänger (33 %) und zu 24,4 % mit dem Rad (29 %).
–  10–14 Jahre alt: verunglücken zu 46 % mit dem Rad (51 %), zu 25,5 % als Pkw-Insasse (23 %) und zu 21,2 % als Fußgänger (20 %).

Unfallrisiko: auf die Bevölkerungsgruppe bezogen (je 1 Mill. Einwohner): Im europäischen Vergleich ein relativ geringes Getötetenrisiko (vorwiegend Zahlen aus 2012).

Unfallursachen (polizeilich erfasst): als Radfahrer (6 bis 14 Jahre): falsche Straßenbenutzung 22,4 % (23 %); Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren 20,6 % (22 %); Vorfahrt, Vorrang 13,3 % (15 %); Geschwindigkeit 7,1 % (6 %). Als Fußgänger: nicht auf den Fahrzeugverkehr geachtet 54,8 % (47,5 %), plötzliches Hervortreten hinter Sichthindernissen 28,8 % (25, 4 %).

Risikofaktoren der Person: Unachtsamkeit, Ablenkung (z. B. beim Spielen, bei Wettfahrten), falsche Selbsteinschätzung, mangelnde Übung und Erfahrung, fehlerhaftes Einschätzen von Geschwindigkeiten und Entfernungen (erfolgt zuverlässig erst mit etwa 10 Jahren), unzureichende Regelkenntnis, fehlendes Wissen über Ursache-Wirkungen-Zusammenhänge, mangelnde Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, Temperament (z.B. Impulsivität), Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS), sozialer Sog (z. B. unüberlegtes Hinterherfahren), Gruppendruck, Stress (z. B. bei Zeitdruck), Nicht-Nutzung eines Fahrradhelms, Risiko- und Aggressionsbereitschaft bei Jungen.

Risikofaktoren der Umwelt: Familiere Situation (z.B. sozial schwächere Familien, Wohnverhältnisse, emotionales Klima), starke Verkehrsbelastung in Wohngebieten, bestimmtes soziales Umfeld, nicht angemessene Geschwindigkeit des Autoverkehrs, Fehlverhalten von Kraftfahrern, bestimmte Tages- und Jahreszeit, Sichthindernisse (z.B. durch parkende Autos), ungünstige Verkehrsregelung und -planung (z.B. unzureichende Schulwegsicherungsmaßnahmen), mangelnde Verkehrsüberwachung.

Helmtragen (Fahrrad) in 2014 (2005): 6-10 Jahre 69 % (42 %), 11–16 Jahre 31 % (14 %), ab 17 Jahre 7-16 % (3–5 % in 2006) (Wandtner, 2014).

Nutzung von Kinderrückhaltesystemen in 2014 (Kinder unter 6 Jahren): 93 % auf Landstraßen (89 % in 2013), 92 % im Innerortsverkehr (90 % in 2013); 1 % der Kinder dieser Altersgruppe sitzt völlig ungesichtert im Auto (im Vorjahr waren es noch 3 %) (Wandtner, 2014).


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Weiterführende Literatur

Funk, W. & Faßmann, H. (2013). Schwer erreichbare Zielgruppen – Handlungsansätze für eine neue Verkehrssicherheitsarbeit in Deutschland. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Mensch und Sicherheit, Heft M 237. Bremerhaven, Bergisch Gladbach: Wirtschaftsverlag NW.

Holte, H. (2010). Profile im Straßenverkehr verunglückter Kinder und Jugendlicher. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Mensch und Sicherheit, Heft M 206. Bremerhaven, Bergisch Gladbach: Wirtschaftsverlag NW.

Limbourg, M. (2010). Kinder unterwegs im Straßenverkehr. Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf.

Neumann-Opitz, N. (2014). Zielgruppe Kinder. In C. Klimmt, M. Maurer, H. Holte & E. Baumann (Hrsg.), Verkehrssicherheitskommunikation: Beiträge der empirischen Forschung zur strategischen Unfallprävention (S. 11-34). Berlin: Springer Verlag.

Statistisches Bundesamt (2014). Kinderunfälle im Straßenverkehr 2013. Wiesbaden.

Wandtner, B. (2014). Gurte, Kindersitze, Helme und Schutzkleidung – 2014. BASt-Info 9/15.